Thermodirekt oder Thermotransfer: Welches Druckverfahren passt zu Ihrem Unternehmen?

Wer sich mit Etikettierung beschäftigt, stolpert früher oder später über diese Frage: Thermodirekt oder Thermotransfer? Auf den ersten Blick scheinen beide Verfahren ähnlich zu funktionieren. Schließlich arbeiten beide mit Hitze. Aber die Unterschiede sind größer, als man denkt. Und diese Unterschiede können in der Praxis den Unterschied zwischen effizienten Prozessen und unnötigen Kosten ausmachen.

In diesem Artikel schauen wir uns beide Druckverfahren genau an. Nicht nur theoretisch, sondern mit konkreten Beispielen aus der Praxis. Am Ende wissen Sie genau, welche Methode für Ihre Anforderungen die richtige ist.

Wie funktioniert eigentlich ein Etikettendrucker?

Bevor wir in die Details der beiden Verfahren eintauchen, lohnt sich ein Blick auf die Grundlagen. Die meisten modernen Etikettendrucker von Herstellern wie Zebra, Sato oder Datamax unterstützen beide Druckverfahren. Das macht sie flexibel, kann aber auch verwirren.

Der Druckkopf ist das Herzstück jedes Etikettendruckers. Er besteht aus winzigen Heizelementen, die in der Fachsprache "Dots" genannt werden. Diese Heizelemente erwärmen sich punktgenau dort, wo das Druckbild entstehen soll. Die Anzahl und Anordnung dieser Dots bestimmt die Druckauflösung.

Gängig sind Auflösungen von 200, 300 oder 600 dpi (dots per inch). Je höher die Zahl, desto schärfer und detaillierter wird das Druckbild. Für einfache Versandetiketten reichen 200 dpi völlig aus. Wer aber winzige Barcodes oder hochauflösende Logos drucken will, kommt um 600 dpi nicht herum.

Was nach dem Erhitzen der Dots passiert, hängt vom gewählten Druckverfahren ab. Und genau hier beginnen die interessanten Unterschiede.

Thermodirektdruck: Einfach, schnell, günstig

Stellen Sie sich vor, Sie kratzen mit dem Fingernagel über ein Etikett und plötzlich erscheint ein schwarzer Strich. Dann haben Sie es mit einem Thermodirekt-Etikett zu tun. Dieser kleine Trick funktioniert, weil das Material selbst auf Wärme reagiert.

So funktioniert Thermodirektdruck

Beim Thermodirektverfahren wird die Hitze direkt auf ein speziell beschichtetes Thermopapier übertragen. Dieses Papier hat eine hitzeempfindliche Beschichtung, die sich bei Wärmeeinwirkung dunkel verfärbt. Es ist im Prinzip wie bei alten Faxgeräten oder modernen Kassenbons.

Der Druckkopf erhitzt sich an bestimmten Stellen, das Thermopapier läuft daran vorbei und verfärbt sich dort, wo die Hitze wirkt. Fertig ist das Druckbild. Kein Farbband, keine zusätzlichen Verbrauchsmaterialien. Nur Papier und Hitze.

Die Vorteile von Thermodirektdruck

Niedrige Kosten: Das ist der offensichtlichste Vorteil. Weil kein Farbband benötigt wird, fallen die laufenden Kosten deutlich geringer aus. Sie kaufen nur Etiketten, sonst nichts. Gerade bei hohem Druckvolumen macht sich das schnell bemerkbar.

Hohe Druckgeschwindigkeit: Thermodirektdrucker sind schneller als ihre Thermotransfer-Kollegen. Der Grund ist simpel: Die Farbe muss nicht erst aus einem Farbband geschmolzen werden. Das Papier reagiert sofort auf die Hitze. In hektischen Umgebungen wie Versandzentren oder an Kassen zählt jede Sekunde.

Kompakte Bauweise: Ohne Farbband-Mechanismus können Thermodirektdrucker kompakter gebaut werden. Das macht sie ideal für mobile Anwendungen. Denken Sie an Paketboten, die Etiketten direkt vor Ort drucken, oder an Lagermitarbeiter mit mobilen Druckern am Gürtel.

Einfache Handhabung: Weniger Komponenten bedeuten weniger Wartung. Sie müssen nur die Etikettenrolle austauschen, wenn sie leer ist. Kein Fummeln mit Farbbändern, keine komplizierten Einstellungen. Das reduziert Ausfallzeiten und macht die Bedienung auch für ungelernte Mitarbeiter einfach.

Trägerlose Etiketten möglich: Ein oft übersehener Vorteil ist die Möglichkeit, trägerlose Etiketten zu verwenden. Das spart Material und Abfall. Besonders in Branchen mit strengen Nachhaltigkeitsvorgaben ein wichtiger Punkt.

Die Nachteile von Thermodirektdruck

Begrenzte Haltbarkeit: Hier liegt der größte Schwachpunkt. Thermodirekt-Etiketten sind empfindlich. Sonnenlicht lässt sie verblassen. Hitze macht den Druck unleserlich. Selbst mechanischer Abrieb kann das Druckbild beschädigen. Wir alle kennen das von alten Kassenbons, die nach ein paar Monaten komplett weiß sind.

Eingeschränkte Materialauswahl: Sie sind auf Thermopapier festgelegt. Andere Materialien wie Kunststoff oder Folie funktionieren nicht. Das schränkt die Einsatzmöglichkeiten ein.

Nur einfarbiger Druck: Thermodirektdruck funktioniert ausschließlich in Schwarz. Farbige Logos oder mehrfarbige Warnhinweise sind nicht möglich.

Temperaturempfindlichkeit: Nicht nur beim Druck, auch bei der Lagerung reagiert das Material auf Temperatur. Lagern Sie Thermodirekt-Etiketten zu warm, können sie sich bereits vor dem Druck verfärben.

Typische Einsatzgebiete für Thermodirektdruck

Thermodirektdruck eignet sich überall dort, wo Etiketten nur kurzzeitig benötigt werden und keinen extremen Bedingungen ausgesetzt sind:

  • Versandetiketten: Pakete werden in der Regel innerhalb weniger Tage zugestellt. Danach wird das Etikett nicht mehr gebraucht.
  • Kassenbons: Der Klassiker. Die meisten Menschen werfen Kassenbons ohnehin nach kurzer Zeit weg.
  • Eintrittskarten: Konzerte, Kino, Theater – die Karte muss nur ein paar Stunden halten.
  • Parkscheine: Ähnlich wie Eintrittskarten. Kurze Lebensdauer, kein Problem.
  • Adressetiketten: Für Briefe und Zeitungen völlig ausreichend.
  • Tagesproduktion: In Produktionsbetrieben für die Kennzeichnung von Waren, die noch am selben Tag weiterverarbeitet werden.

 

Thermotransferdruck: Langlebig, vielseitig, professionell

Beim Thermotransferverfahren kommt ein zusätzliches Element ins Spiel: das Farbband. Und genau dieses Farbband macht den entscheidenden Unterschied in Sachen Haltbarkeit und Vielseitigkeit.

So funktioniert Thermotransferdruck

Der Druckkopf erhitzt sich wie beim Thermodirektdruck. Aber statt direkt auf das Papier zu wirken, schmilzt die Hitze punktuell Farbe von einem Farbband ab. Diese Farbe wird auf das Etikettenmaterial übertragen und verbindet sich dort fest mit der Oberfläche. Sobald die Farbe abkühlt, entsteht ein dauerhaftes, widerstandsfähiges Druckbild.
Das Farbband besteht aus mehreren Schichten: einem Trägermaterial, einer Grundierung, der eigentlichen Farbschicht und einem Back Coating. Diese Struktur sorgt dafür, dass die Farbe sauber und gleichmäßig übertragen wird.

Die drei Farbband-Qualitäten

Nicht jedes Farbband ist gleich. Je nach Anwendung und Etikettenmaterial gibt es drei verschiedene Qualitätsstufen:

Wachs-Farbbänder: Die Einstiegsvariante. Sie eignen sich für einfache Papieretiketten und matte Oberflächen. Kostengünstig und für die meisten Standard-Anwendungen völlig ausreichend. Allerdings nicht besonders kratzfest.

Wachs-Harz-Farbbänder: Der Allrounder. Diese Mischung funktioniert auf glänzenden Papieren und synthetischen Materialien. Sie bieten eine gute Balance zwischen Kosten und Beständigkeit. Ideal für Etiketten, die etwas mehr aushalten müssen.

Harz-Farbbänder: Die Premium-Variante. Diese Farbbänder sind extrem widerstandsfähig. Sie halten Chemikalien, Lösungsmittel, extreme Temperaturen und mechanische Beanspruchung aus. Perfekt für Typenschilder, Laboretiketten oder Anwendungen in rauen Industrieumgebungen. Auch waschbare Textil-Etiketten brauchen Harz-Farbbänder.

Ein interessanter Hinweis am Rande: Es gibt mittlerweile auch lösungsmittelfreie Farbbänder, die umweltfreundlicher sind und gleichzeitig die Drucker schonen.

Die Vorteile von Thermotransferdruck

Hervorragende Haltbarkeit: Das ist der Hauptgrund, warum viele Unternehmen Thermotransfer wählen. Die Drucke sind extrem beständig gegen Hitze, Kälte, Feuchtigkeit, UV-Strahlung und mechanischen Abrieb. Ein Etikett, das mit Thermotransfer gedruckt wurde, kann Jahre oder sogar Jahrzehnte lesbar bleiben.

Große Materialvielfalt: Sie können auf fast allem drucken: normales Papier, beschichtetes Papier, Kunststofffolien (PE, PP, PET), Textilien, Metall-Folien. Diese Flexibilität eröffnet unzählige Anwendungsmöglichkeiten.

Mehrfarbiger Druck möglich: Während Standarddrucker meist nur schwarz drucken, gibt es Farbbänder in vielen Farben. Rot für Warnhinweise, Grün für Qualitätssiegel, Blau für spezielle Kennzeichnungen. Mit etwas Aufwand sind sogar zweifarbige Drucke möglich.

Hohe Druckauflösung: Thermotransferdrucker sind mit Auflösungen bis 600 dpi erhältlich. Das ermöglicht gestochen scharfe Barcodes, winzige Texte und detaillierte Logos. In der Pharmaindustrie oder bei elektronischen Bauteilen ist diese Präzision oft vorgeschrieben.

Outdoor-geeignet: Dank der Beständigkeit gegen Umwelteinflüsse eignen sich Thermotransfer-Etiketten perfekt für den Außeneinsatz. Ob auf Baumaschinen, Verkehrsschildern oder Outdoor-Ausrüstung – die Etiketten bleiben lesbar.

Robuste Technik: Thermotransferdrucker sind zwar komplexer als Thermodirektdrucker, aber die Technik ist ausgereift und wartungsarm. Bei richtiger Pflege laufen sie jahrelang zuverlässig.

Die Nachteile von Thermotransferdruck

Höhere Kosten: Sie brauchen zwei Verbrauchsmaterialien: Etiketten und Farbbänder. Das verdoppelt nicht nur die Materialkosten, sondern auch den Aufwand für Bestellung und Lagerhaltung.

Mehr Abfall: Neben dem Trägermaterial der Etiketten fällt auch das verbrauchte Farbband als Abfall an. Das ist weder besonders umweltfreundlich noch kostengünstig in der Entsorgung.

Etwas langsamer: Weil die Farbe erst geschmolzen werden muss, sind Thermotransferdrucker minimal langsamer als Thermodirektdrucker. In der Praxis macht das nur bei extrem hohen Druckvolumen einen Unterschied.

Komplexere Handhabung: Sie müssen sowohl Etiketten als auch Farbbänder wechseln. Das bedeutet mehr Schulungsaufwand für Mitarbeiter und potenziell mehr Ausfallzeiten beim Materialwechsel.

Keine trägerlosen Etiketten: Im Gegensatz zum Thermodirektdruck funktioniert Thermotransfer nicht mit trägerlosen Etiketten. Das Trägermaterial wird benötigt, um die Farbe sauber zu übertragen.

Typische Einsatzgebiete für Thermotransferdruck

Thermotransferdruck ist die erste Wahl, wenn Langlebigkeit und Beständigkeit gefordert sind:

  • Typenschilder: Auf Maschinen, Geräten und elektronischen Bauteilen müssen Informationen jahrelang lesbar bleiben. Oft sind hier auch gesetzliche Vorgaben zu erfüllen.
  • Warnhinweis-Etiketten: Sicherheitskennzeichnungen dürfen nicht verblassen. Sie müssen über die gesamte Lebensdauer des Produkts lesbar sein.
  • Laboretiketten: In Laboren werden Proben oft über Monate oder Jahre gelagert, teilweise bei extremen Temperaturen. Thermotransfer-Etiketten halten auch im Gefrierschrank oder Autoklaven stand.
  • Lebensmittelkennzeichnung: Besonders bei gekühlten oder gefrorenen Produkten ist Thermotransfer unverzichtbar. Die Etiketten müssen Feuchtigkeit und Temperaturwechsel aushalten.
  • Qualitätssicherung: QS-Etiketten auf Bauteilen und Produkten müssen den gesamten Produktionsprozess überstehen, inklusive Hitze, Öl und mechanischer Beanspruchung.
  • Logistik und Lagerhaltung: Palettenetiketten und Transportetiketten für lange Lieferketten brauchen die Robustheit von Thermotransfer.
  • Inventarisierung: Asset-Labels auf Firmeneigentum müssen Jahre überdauern und verschiedenste Umgebungsbedingungen aushalten.
  • Outdoor-Anwendungen: Alles, was draußen eingesetzt wird – von Gartenmöbeln bis zu Baustellenausrüstung.

Thermodirekt vs. Thermotransfer: Der direkte Vergleich

Um die Entscheidung zu erleichtern, hier eine übersichtliche Gegenüberstellung der wichtigsten Kriterien:

Funktionsweise:

  • Thermodirekt: Hitze wirkt direkt auf thermosensitives Papier, das sich verfärbt
  • Thermotransfer: Hitze schmilzt Farbe von einem Farbband, die auf das Etikett übertragen wird

Verbrauchsmaterialien:

  • Thermodirekt: Nur Thermopapier (auch trägerlos möglich)
  • Thermotransfer: Farbband plus verschiedene Etikettenmaterialien (kein trägerloses möglich)

Druckkosten:

  • Thermodirekt: Niedrig
  • Thermotransfer: Mittelhoch

Druckfarben:

  • Thermodirekt: Nur schwarz
  • Thermotransfer: Ein- oder zweifarbig, viele Farben verfügbar, auch Sonderfarben

Haltbarkeit:

  • Thermodirekt: Kurz (Wochen bis Monate)
  • Thermotransfer: Lang (Jahre bis Jahrzehnte)

Druckgeschwindigkeit:

Umweltbeständigkeit:

  • Thermodirekt: Gering (empfindlich gegen UV, Hitze, Feuchtigkeit, Abrieb)
  • Thermotransfer: Hoch (resistent gegen UV, Temperaturen, Chemikalien, Abrieb)

Materialvielfalt:

  • Thermodirekt: Eingeschränkt (nur Thermopapier)
  • Thermotransfer: Sehr groß (Papier, Kunststoff, Folie, Textil)

Wartungsaufwand:

  • Thermodirekt: Minimal
  • Thermotransfer: Gering bis mittel

Der Fingernagel-Test: So erkennen Sie den Unterschied

Sie haben ein Etikett vor sich und wissen nicht, mit welchem Verfahren es gedruckt wurde? Es gibt einen simplen Trick: Kratzen Sie mit dem Fingernagel über das Etikett.
Erscheint ein schwarzer Strich, handelt es sich um Thermodirektdruck. Das Material reagiert auf die Reibungswärme und verfärbt sich. Bei Thermotransfer-Etiketten passiert nichts, weil die Farbe fest mit dem Material verbunden ist.

Dieser Test ist übrigens nicht nur eine nette Spielerei. Er hilft Ihnen auch dabei, die richtige Nachbestellung aufzugeben oder Probleme mit der Haltbarkeit zu verstehen.

 

Häufige Fehler bei der Auswahl vermeiden

Aus unserer langjährigen Erfahrung in der Etikettierung kennen wir die typischen Stolpersteine. Hier sind die häufigsten Fehler, die Unternehmen bei der Wahl des Druckverfahrens machen:

Fehler 1: Nur auf den Preis schauen Klar, Thermodirekt ist günstiger. Aber was nützt ein billiges Etikett, das nach zwei Wochen unleserlich ist? Rechnen Sie die Gesamtkosten über die erwartete Nutzungsdauer. Manchmal ist die teurere Lösung am Ende die wirtschaftlichere.

Fehler 2: Die Umgebungsbedingungen unterschätzen Ein Etikett, das im klimatisierten Büro funktioniert, kann in der Lagerhalle oder im Außenbereich versagen. Berücksichtigen Sie Temperaturschwankungen, Feuchtigkeit, Sonneneinstrahlung und mechanische Belastung.

Fehler 3: Die falsche Farbband-Qualität wählen Wenn Sie sich für Thermotransfer entscheiden, ist die Wahl des richtigen Farbbands entscheidend. Ein Wachs-Farbband auf einer Kunststofffolie wird nicht lange halten. Lassen Sie sich beraten, welche Kombination für Ihre Anwendung optimal ist.

Fehler 4: Die Druckauflösung vernachlässigen Nicht jeder Drucker bietet die gleiche Auflösung. Für kleine Barcodes oder detaillierte Logos brauchen Sie mindestens 300 dpi, besser 600 dpi. Ein 200-dpi-Drucker mag günstiger sein, aber wenn die Barcodes nicht scanbar sind, haben Sie nichts gewonnen.

Fehler 5: Keine Testphase einplanen Investieren Sie nicht gleich in tausende Etiketten. Bestellen Sie Muster und testen Sie diese unter realen Bedingungen. Kleben Sie ein Testetikett auf das tatsächliche Produkt und setzen Sie es den typischen Belastungen aus. Erst dann entscheiden Sie sich endgültig.

Praxis-Beispiele: Welches Verfahren für welche Branche?

Einzelhandel: Für Preisauszeichnungen und kurzfristige Aktionsetiketten ist Thermodirekt ideal. Die Etiketten müssen nur ein paar Tage oder Wochen halten. Kostengünstig und schnell zu produzieren.

Lebensmittelindustrie: Hier wird es differenziert. Für frische Produkte, die innerhalb weniger Tage verkauft werden, reicht Thermodirekt. Für Tiefkühlprodukte oder lange haltbare Waren ist Thermotransfer Pflicht. Die Etiketten müssen Kühllagerung und Temperaturschwankungen aushalten.

Logistik und Versand: Versandetiketten für Standardpakete können mit Thermodirekt gedruckt werden. Für internationale Sendungen oder Paletten, die länger unterwegs sind, empfiehlt sich Thermotransfer. Besonders bei Seefracht oder Lagerung im Freien.

Elektronikfertigung: Typenschilder und Seriennummern auf elektronischen Geräten müssen jahrelang lesbar bleiben. Thermotransfer mit Harz-Farbband auf Polyester-Etiketten ist hier Standard. Oft sind auch gesetzliche Vorgaben zu erfüllen.

Gesundheitswesen und Labor: Laborproben werden oft bei extremen Temperaturen gelagert. Thermotransfer-Etiketten mit speziellem Klebstoff halten auch bei minus 196 Grad in Stickstofftanks. Für Patientenarmbänder, die nur einen Tag getragen werden, reicht Thermodirekt.

Automobilindustrie: Bauteile müssen über die gesamte Lebensdauer eines Fahrzeugs identifizierbar sein. Thermotransfer auf Polyester oder Metall-Folie ist unverzichtbar. Die Etiketten müssen Motorhitze, Öl, Bremsflüssigkeit und Witterung standhalten.

Chemie und Pharma: Hier gelten strenge Vorschriften. Etiketten müssen nicht nur lange halten, sondern auch gegen Chemikalien resistent sein. Thermotransfer mit Harz-Farbband auf speziellen Folien ist die einzige Option.

Die richtige Entscheidung treffen: Ein Leitfaden

Um Ihnen die Wahl zu erleichtern, haben wir einen einfachen Entscheidungsbaum entwickelt. Beantworten Sie folgende Fragen:

1. Wie lange muss das Etikett lesbar bleiben?

  • Weniger als 6 Monate: Thermodirekt möglich
  • Länger als 6 Monate: Thermotransfer empfohlen

2. Welchen Umgebungsbedingungen ist das Etikett ausgesetzt?

  • Innenraum, normale Temperaturen, kein direktes Sonnenlicht: Thermodirekt möglich
  • Außenbereich, Temperaturextreme, Feuchtigkeit, UV-Strahlung: Thermotransfer notwendig

3. Muss das Etikett mechanisch belastbar sein?

  • Geringe Belastung, kein Abrieb: Thermodirekt möglich
  • Hohe Belastung, Abrieb, Kratzer: Thermotransfer notwendig

4. Wie hoch ist Ihr Druckvolumen?

  • Sehr hoch (mehrere tausend Etiketten täglich): Thermodirekt kann Kosten sparen
  • Mittel bis niedrig: Beide Verfahren möglich

5. Brauchen Sie spezielle Materialien oder Farben?

  • Nur Papier, nur schwarz: Thermodirekt ausreichend
  • Kunststoff, Folie, mehrere Farben: Thermotransfer notwendig

6. Wie wichtig ist die Druckgeschwindigkeit?

  • Extrem wichtig (z.B. Kassensystem): Thermodirekt im Vorteil
  • Weniger wichtig: Beide Verfahren geeignet

7. Gibt es gesetzliche oder branchenspezifische Vorgaben?

  • Ja (z.B. Typenschilder, Medizinprodukte): Oft Thermotransfer vorgeschrieben
  • Nein: Freie Wahl

8. Wie wichtig ist Nachhaltigkeit?

  • Sehr wichtig: Thermodirekt mit trägerlosen Etiketten reduziert Abfall
  • Weniger wichtig: Beide Verfahren möglich

 

Kosten-Nutzen-Analyse: Mehr als nur der Etikettenpreis

Bei der Entscheidung zwischen Thermodirekt und Thermotransfer sollten Sie alle Kostenfaktoren berücksichtigen:

Anschaffungskosten: Drucker beider Typen liegen preislich oft nah beieinander. Viele Modelle unterstützen sogar beide Verfahren, sodass Sie flexibel bleiben.

Verbrauchsmaterialien: Thermodirekt-Etiketten kosten pro Stück etwas mehr als normale Papieretiketten. Dafür sparen Sie das Farbband. Bei Thermotransfer kommen Etiketten und Farbband zusammen. Die Kosten pro Etikett liegen meist 20-40% höher als bei Thermodirekt.

Wartung und Ausfallzeiten: Thermodirektdrucker brauchen weniger Wartung. Nur die Etikettenrolle muss gewechselt werden. Bei Thermotransfer kommt der Farbbandwechsel hinzu. Das kostet Zeit und kann bei ungeschulten Mitarbeitern zu Fehlern führen.

Nachdrucke und Reklamationen: Wenn Etiketten vorzeitig unleserlich werden, müssen Sie nachdrucken. Das kostet nicht nur Material, sondern auch Arbeitszeit und kann zu Unzufriedenheit bei Kunden führen. Ein haltbares Thermotransfer-Etikett verhindert solche Probleme.

Entsorgungskosten: Thermotransfer produziert mehr Abfall. In manchen Regionen oder Branchen können dafür zusätzliche Entsorgungskosten anfallen.

Compliance und Haftung: Wenn gesetzliche Vorgaben nicht eingehalten werden, drohen Bußgelder oder Produktrückrufe. Die Kosten dafür übersteigen die Ersparnis bei den Etiketten um ein Vielfaches.

Zukunftstrends in der Etikettierung

Die Etikettierbranche entwickelt sich ständig weiter. Hier sind einige Trends, die Sie im Blick haben sollten:

Nachhaltigere Materialien: Es gibt zunehmend umweltfreundlichere Thermopapiere ohne problematische Chemikalien. Auch bei Farbbändern gibt es lösungsmittelfreie Alternativen.

Höhere Auflösungen: 600 dpi werden zum Standard. Das ermöglicht noch kleinere Etiketten mit mehr Informationen.

Intelligente Etiketten: RFID-Chips werden zunehmend in Etiketten integriert. Die Kombination aus gedruckten Informationen und elektronischen Daten eröffnet neue Möglichkeiten für Tracking und Authentifizierung.

Digitalisierung: Etiketten-Software wird immer leistungsfähiger. Cloud-basierte Lösungen ermöglichen zentrale Verwaltung und dezentralen Druck.

Individualisierung: Variable Daten und Personalisierung werden immer wichtiger. Beide Druckverfahren können hier punkten, aber Thermotransfer bietet mehr gestalterische Freiheit.

 

Es gibt kein "besser" oder "schlechter"

Die Frage "Thermodirekt oder Thermotransfer?" lässt sich nicht pauschal beantworten. Es kommt immer auf Ihre spezifische Situation an. Thermodirekt punktet mit niedrigen Kosten, hoher Geschwindigkeit und einfacher Handhabung. Perfekt für kurzlebige Anwendungen mit hohem Druckvolumen. Thermotransfer überzeugt durch Langlebigkeit, Materialvielfalt und Beständigkeit. Die richtige Wahl für anspruchsvolle Anwendungen, bei denen Qualität und Haltbarkeit zählen.

In vielen Unternehmen macht es Sinn, beide Verfahren parallel einzusetzen. Ein Drucker, der beide Methoden beherrscht, gibt Ihnen die größte Flexibilität.

Das Wichtigste ist, dass Sie Ihre Anforderungen genau kennen. Überlegen Sie, welche Bedingungen Ihre Etiketten aushalten müssen, wie lange sie lesbar bleiben sollen und welches Budget Sie haben. Testen Sie verschiedene Lösungen unter realen Bedingungen, bevor Sie sich festlegen.

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Seit 1984 beraten wir Unternehmen bei der industriellen Kennzeichnung. Wir kennen die Herausforderungen in verschiedenen Branchen und wissen, worauf es ankommt.

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