DataMatrix-Codes: Kleine Quadrate, die unsere Produkte schlauer machen
Was ist ein DataMatrix-Code, wie ist er aufgebaut und wann ist er Pflicht? Aufbau, Fehlerkorrektur, Mindestgrössen und Unterschied zum QR-Code kompakt erklärt.
DataMatrix-Codes sehen auf den ersten Blick aus wie ein zufälliges Schachbrettmuster. Tatsächlich steckt dahinter ein präzises System, das in der Industrie, der Pharmazie und der Logistik aus gutem Grund dem klassischen Barcode und oft auch dem QR-Code vorgezogen wird.
Hier kommt ein Überblick: Was ein DataMatrix-Code ist, wie er aufgebaut ist, wann er Pflicht ist und wann er sinnvoll ist.
Ein DataMatrix-Code ist ein zweidimensionaler Strichcode, der Daten in einem quadratischen Raster aus schwarzen und weissen Modulen speichert. Er wurde Ende der 1980er Jahre von der amerikanischen Acuity Corporation entwickelt und ist heute über die ISO-Norm 16022 standardisiert.
Im Gegensatz zum klassischen Barcode, der Daten nur in einer Richtung (horizontal) kodiert, nutzt der DataMatrix-Code beide Dimensionen. Das erlaubt deutlich mehr Daten auf deutlich kleinerem Raum.
Ein DataMatrix-Code besteht aus mehreren Elementen:
L-förmige Finder-Pattern: Die zwei durchgehenden Linien an zwei Seiten des Codes (das "L") dienen zur Orientierung. Der Scanner erkennt damit Position, Grösse und Ausrichtung des Codes, unabhängig vom Lesewinkel.
Taktmuster: Die abwechselnden schwarzen und weissen Module auf den zwei anderen Seiten definieren das Raster und ermöglichen die genaue Positionierung der Datenzellen.
Datenzellen: Das innere Feld enthält die eigentlichen Informationen, kodiert nach dem ECC200-Fehlerkorrekturalgorithmus.
Ruhezone: Wie beim QR-Code braucht auch der DataMatrix-Code einen freien Rand um den Code herum, mindestens 1 Modul breit.
Der DataMatrix-Code gibt es in verschiedenen Grössen, sogenannten Versionen. Je grösser die Version, desto mehr Module und desto mehr Kapazität:
| Grösse | Module | Max. Ziffern | Max. Buchstaben |
|---|---|---|---|
| Kleinste Version | 10x10 | 6 | 3 |
| Mittlere Version | 16x16 | 24 | 16 |
| Grosse Version | 24x24 | 72 | 49 |
| Maximale Version | 144x144 | 3.116 | 2.335 |
Für die meisten industriellen Anwendungen reichen mittlere Versionen aus. Eine Seriennummer, eine Chargennummer und ein Datum passen problemlos in einen 10x10mm grossen Code.
Das wichtigste technische Merkmal des DataMatrix-Codes ist die eingebaute Fehlerkorrektur nach dem ECC200-Standard. Er basiert auf dem Reed-Solomon-Algorithmus und erlaubt es dem Scanner, den Code auch dann noch vollständig zu lesen, wenn bis zu 25% der Fläche beschädigt sind.
Das macht ihn besonders robust für industrielle Umgebungen mit Kratzern, Schmutz, Abrieb oder schlechter Beleuchtung. Ein klassischer Barcode ist bei minimaler Beschädigung oft bereits unlesbar.
Die Frage kommt regelmässig. Beide sind 2D-Codes mit Fehlerkorrektur, aber sie haben unterschiedliche Stärken:
| DataMatrix | QR-Code | |
|---|---|---|
| Mindestgrösse | ab ca. 2x2mm | ab ca. 10x10mm |
| Maximale Kapazität | 3.116 Ziffern | 7.089 Ziffern |
| Fehlerkorrektur | bis 25% | bis 30% |
| Lesewinkel | 360° | 360° |
| Typischer Einsatz | Industrie, Medizin, kleine Flächen | Marketing, URLs, Verbraucheranwendungen |
DataMatrix gewinnt bei: kleinen Flächen, direkter Markierung auf Bauteilen, industriellen Hochgeschwindigkeitsanwendungen.
QR-Code gewinnt bei: grossen Datenmengen, Verbraucheranwendungen, Marketing.
Mehr zu QR-Codes auf Etiketten und den Anforderungen an Druckqualität und Mindestgrössen erklärt der Ratgeber zu QR-Codes auf Etiketten.
In mehreren Branchen ist der DataMatrix-Code keine Option, sondern Pflicht:
Pharmaindustrie: Seit Februar 2019 gilt in der EU die Delegierte Verordnung 2016/161 (Fälschungsschutzrichtlinie). Jede verschreibungspflichtige Medikamentenpackung muss einen individuellen DataMatrix-Code tragen mit Produktcode, Seriennummer, Chargennummer und Ablaufdatum. In der Schweiz ist die Umsetzung über die Heilmittelgesetzgebung geregelt, ich empfehle die aktuelle Lage beim Schweizerischen Heilmittelinstitut Swissmedic zu prüfen.
Automobilindustrie: Der VDA 4902 Standard schreibt DataMatrix-Codes für Bauteile vor, die über ihren gesamten Lebenszyklus rückverfolgbar sein müssen. Betrifft viele Schweizer Zulieferer.
Luft- und Raumfahrt: Die ATA Spec 2000 verlangt DataMatrix-Codes für Komponenten. Die lückenlose Rückverfolgbarkeit ist sicherheitsrelevant.
Elektronikindustrie: Die IPC-1782A Norm empfiehlt DataMatrix-Codes für Leiterplatten und Baugruppen. Viele Hersteller machen dies zur Pflicht für ihre Zulieferer.
Es gibt vier gängige Methoden, je nach Material und Anforderung:
Etikettendruck (Thermotransfer): Flexibel, einfach änderbar, günstiger Einstieg. Geeignet für Verpackungen, Kartons, variable Anwendungen. Ein Industrieetikettendrucker mit 300 DPI druckt DataMatrix-Codes ab ca. 3x3mm sauber lesbar, mit 203 DPI besser ab 5x5mm. Die Kombination aus Polyester-Etikett und Harz-Thermotransferband ist für industrielle Anwendungen empfehlenswert.
Lasergravur: Extrem langlebig, kein Verbrauchsmaterial, direkt ins Material gebrannt. Ideal für Metallteile und Bauteile mit langer Lebensdauer. Höhere Anschaffungskosten.
Nadelprägen (Dot Peen): Mechanisch geprägt, sehr robust, funktioniert auf fast allen Materialien. Häufig in der Automobilindustrie.
Direktdruck (Inkjet): Direkt auf Verpackungsmaterial, ohne Etikett. Schnell bei grossen Stückzahlen, Haltbarkeit abhängig vom Material.
Die Lesbarkeit hängt von drei Faktoren ab:
Modulgrösse: Jedes Modul sollte mindestens 3-5 Druckpunkte breit sein. Bei 300 DPI entspricht das ca. 0.25-0.4mm pro Modul.
Kontrast: Mindestens 20% Kontrastunterschied zwischen Modulen und Hintergrund. Schwarz auf weiss ist die robusteste Kombination.
Ruhezone: Mindestens 1 Modul Abstand um den gesamten Code. Ohne Ruhezone erkennt der Scanner den Code nicht korrekt.
Als Faustregel für die Mindestgrösse des gesamten Codes:
Nicht alle Scanner lesen DataMatrix. Eindimensionale Laser-Scanner (die klassischen roten Strahl-Scanner) können keine 2D-Codes lesen. Dafür braucht es:
2D-Imager: Nehmen ein Bild des Codes auf und verarbeiten es digital. Können sowohl 1D- als auch 2D-Codes lesen. Neuhaus führt 2D-Scanner der Zebra DS-Serien, die DataMatrix zuverlässig lesen, auch bei schwieriger Beleuchtung oder Beschädigung.
Industriekameras: Fest installiert an Förderbändern, lesen Codes im Durchlauf. Für Hochgeschwindigkeitsanwendungen in der Produktion.
Mobile Touch Computer: Die Zebra TC- und MC-Serien lesen DataMatrix-Codes mobil, direkt in der Produktion oder im Lager.
Was ist der Unterschied zwischen DataMatrix und Data Matrix?
Beides bezeichnet dasselbe: einen zweidimensionalen Code nach ISO 16022. "Data Matrix" (zwei Wörter) ist die ältere Schreibweise, "DataMatrix" (ein Wort) wird heute häufiger verwendet.
Kann ein normales Smartphone DataMatrix lesen?
Ja, mit einer geeigneten App. Die eingebaute Kamera der meisten modernen Smartphones reicht aus, solange der Code gross genug und gut beleuchtet ist. Für industrielle Anwendungen sind dedizierte Scanner aber deutlich zuverlässiger.
Ab welcher Grösse ist ein DataMatrix-Code lesbar?
Mit Lasergravur oder hochwertigen Druckern ab ca. 2x2mm. Mit einem Thermotransferdrucker bei 300 DPI ab ca. 3x3mm. Für Handscanner sind 5x5mm empfohlen.
Wie viele Daten kann ein DataMatrix-Code speichern?
Zwischen 6 Ziffern (kleinste Version, 10x10 Module) und 3.116 Ziffern bzw. 2.335 Buchstaben (grösste Version, 144x144 Module).
Brauche ich spezielle Software für DataMatrix?
Für professionelle Anwendungen mit variablen Daten ja. Eine Etikettensoftware mit DataMatrix-Generator und Datenbankanbindung generiert Codes automatisch, zum Beispiel mit Seriennummern oder Chargendaten aus dem ERP-System.
Autorin: Franziska Neuhaus, Entwicklung / Projektmanagement, Neuhaus AG
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