Wie stellt sich ein Barcode zusammen?
Was ist ein Barcode, wie funktioniert er und welche Arten gibt es? Aufbau, 1D- vs. 2D-Codes, EAN, QR-Code und Tipps für lesbare Barcodes in der Praxis erklärt.
Wer in der Schweiz Produkte verkaufen will, kommt früher oder später an denselben Punkt: Der Händler, der Online-Shop oder die Plattform fragt nach einem Barcode. Und plötzlich steht man vor der Frage: Wie bekomme ich eigentlich eine offizielle EAN-Nummer?
Die kurze Antwort: Über GS1 Switzerland. Aber wie das genau funktioniert, was es kostet und worauf man achten sollte, schauen wir uns hier im Detail an.
Kurze Wiederholung für alle, die direkt hier gelandet sind: Eine GS1-Nummer, offiziell GTIN (Global Trade Item Number) genannt, ist die eindeutige Identifikationsnummer, die hinter jedem Barcode steckt. Früher hiess das System EAN, der Begriff ist aber nach wie vor überall gebräuchlich.
Jedes Produkt, jede Variante, jede Verpackungsgrösse bekommt eine eigene Nummer. Die wird als Barcode auf das Etikett gedruckt und kann dann weltweit an jeder Kasse, in jedem Lager und auf jeder Plattform gelesen werden. Wie eine GTIN/EAN genau aufgebaut ist und was die einzelnen Ziffern bedeuten, haben wir in unserem Artikel Was sind EAN-Nummern? ausführlich erklärt.
In der Schweiz ist GS1 Switzerland die einzige offizielle Vergabestelle. Punkt. Es gibt keine legale Alternative, wenn man Nummern haben will, die weltweit anerkannt sind.
Das ist die erste Frage, die man sich stellen sollte, bevor man den Antrag ausfüllt. GS1 Switzerland bietet zwei Modelle an, und die Wahl hängt schlicht davon ab, wie viele Produkte man hat.
Starterkit 10 Das Starterkit ist für kleine Unternehmen und Einzelpersonen gedacht, die wenige Produkte haben und einfach loslegen wollen. Man bekommt 10 GTINs, einmalig, ohne Jahresgebühr.
Die Kosten: CHF 50 einmalig, plus CHF 100 Verifikationsgebühr. Also CHF 150 total für 10 Nummern. Das klingt überschaubar, und für einen kleinen Onlineshop mit 5-8 Produkten ist das tatsächlich die günstigste Option.
Vollmitgliedschaft Wer mehr als 10 Produkte hat oder plant zu wachsen, ist mit der Mitgliedschaft besser bedient. Die Jahresgebühr startet ab CHF 275 und steigt mit dem Umsatz des Unternehmens. Dafür bekommt man Zugang zu deutlich mehr GTINs, je nach Bedarf bis zu 100.000.
Die gestaffelten Preise für grössere Nummernblöcke:
Dazu kommt jeweils die jährliche Mitgliedsgebühr, die umsatzabhängig berechnet wird.
Welches Modell passt wann? Weniger als 10 Produkte, kein grosses Wachstum geplant: Starterkit. Ab 10 Produkten oder wenn man in den nächsten Jahren expandieren will: Mitgliedschaft. Die Vollmitgliedschaft lohnt sich auch deshalb, weil man flexibler ist und Nummern nicht neu kaufen muss, wenn das Sortiment wächst.
Der Prozess ist online und relativ unkompliziert, aber es gibt ein paar Details, die man kennen sollte.
Schritt 1: Auf gs1.ch registrieren Zuerst auf gs1.ch gehen und ein Konto erstellen. Wichtig: Die E-Mail-Adresse, die man bei der Registrierung verwendet, muss mit den Unternehmensdaten übereinstimmen. Das klingt banal, führt aber regelmässig zu Verzögerungen, wenn jemand eine private Gmail-Adresse statt der Firmenadresse verwendet.
Schritt 2: Modell wählen und Antrag ausfüllen Starterkit oder Mitgliedschaft auswählen und das Online-Formular ausfüllen. Gefragt werden Firmenname, Adresse, Umsatzdaten (für die Mitgliedschaft) und die ungefähre Anzahl benötigter Nummern.
Schritt 3: Konto verifizieren und bezahlen Nach der Registrierung kommt eine Verifikations-E-Mail. Erst nach der Bestätigung wird der Antrag weiterbearbeitet. Die Zahlung erfolgt online.
Schritt 4: Nummern erhalten und in der GTIN Registry erfassen Nach der Freigabe bekommt man seinen Nummernblock. Aber Achtung: Einfach nur die Nummer haben reicht nicht. Jede GTIN muss in der GTIN Registry von GS1 erfasst werden. Das ist eine zentrale Datenbank, in der Produktinformationen hinterlegt werden. Händler und Plattformen wie Amazon greifen auf diese Datenbank zu, um Produktdaten zu verifizieren.
Schritt 5: Barcode erstellen und drucken Sobald die GTIN registriert ist, kann man den Barcode generieren und auf die Etiketten drucken. Hier ist die Druckqualität entscheidend, dazu gleich mehr.
Wie lange dauert das alles? Bei unkomplizierten Anträgen geht es meistens innerhalb weniger Werktage. Wenn Rückfragen kommen oder Daten fehlen, kann es länger dauern. Wer dringend Nummern braucht, sollte also nicht bis zur letzten Minute warten.
Das taucht in der Suche regelmässig auf: Kann man EAN-Nummern einfach kaufen, ohne GS1-Mitgliedschaft? Die Antwort ist: technisch ja, praktisch nein.
Es gibt Anbieter, die Nummernblöcke weiterverkaufen. Günstig, schnell, ohne Bürokratie. Klingt verlockend. Das Problem: Diese Nummern sind auf ein anderes Unternehmen registriert, nicht auf das eigene. Grosse Händler, Supermarktketten und Plattformen wie Amazon verlangen nachweislich bei GS1 registrierte Nummern und prüfen das. Wer mit gekauften Nummern arbeitet, riskiert Listings-Sperren, Lieferprobleme und im schlimmsten Fall rechtliche Konsequenzen.
Kurzum: Für CHF 150 (Starterkit) bekommt man offizielle, auf das eigene Unternehmen registrierte Nummern. Das ist die einzige sinnvolle Option.
Die GTIN ist da, die Registry ist befüllt. Jetzt muss der Barcode auf das Produkt. Und hier machen viele einen Fehler: Sie generieren den Code online, drucken ihn auf einem normalen Bürodrucker aus und wundern sich, warum er nicht zuverlässig gescannt wird.
Ein Barcode ist nur so gut wie seine Druckqualität. Zu wenig Kontrast, zu geringe Auflösung, falsches Etikettenmaterial: All das führt dazu, dass der Code an der Kasse oder im Lager nicht gelesen werden kann. Das verursacht Verzögerungen, Rücksendungen und im Handel schnell Vertragsstrafen.
Für professionelle Anwendungen braucht man die richtigen Barcode-Etiketten und den passenden Drucker. Welches Druckverfahren für welchen Einsatz geeignet ist, erklären wir in unserem Ratgeber zu Thermotransfer und Thermodirektdruck. Wer auf der Suche nach dem richtigen Etikettendrucker ist, findet in unserer Druckerauswahl einen guten Einstieg.
Für Unternehmen, die grössere Mengen produzieren oder besondere Anforderungen haben (Reinraum, Tiefkühl, chemikalienbeständig), lohnt sich eine professionelle Beratung. Die Kombination aus richtiger GTIN, passendem Etikett und zuverlässigem Drucker ist das, was am Ende wirklich funktioniert.
Das ist kein Thema, das man ignorieren sollte. Ein Barcode, der nicht korrekt registriert ist oder nicht lesbar ist, kann reale Konsequenzen haben.
Händler, die Produkte mit nicht konformen Barcodes anliefern, riskieren Rücksendungen auf eigene Kosten. Manche Handelsketten verlangen zusätzlich Vertragsstrafen. Und wer Nummern verwendet, die einem anderen Unternehmen gehören, bewegt sich rechtlich in gefährlichem Terrain.
Für Medizinprodukte gelten noch strengere Regeln. Die EU-Medizinprodukteverordnung (MDR) verlangt eine UDI-konforme Kennzeichnung, die auf GS1-Standards basiert. Wer Medizinprodukte herstellt oder importiert, sollte sich frühzeitig mit den spezifischen Anforderungen befassen.
Die Lesbarkeit eines Barcodes lässt sich übrigens prüfen, bevor man in die Produktion geht. GS1 bietet Verifikationsservices an, die den Barcode auf Norm-Konformität testen. Das kostet CHF 100 pro Prüfung, ist aber deutlich günstiger als eine Rücksendung von hundert Paletten.
Eine GTIN kann in verschiedenen Barcode-Formaten dargestellt werden. Das klingt nach einem Detail, ist aber relevant, wenn man weiss, wo der Code eingesetzt wird.
EAN-13 ist der Standard für Konsumgüter. Das ist der Barcode, den man auf fast jedem Supermarktprodukt findet.
EAN-8 ist die Kurzversion für kleine Verpackungen, auf denen ein EAN-13 keinen Platz hat.
GS1-128 wird in der Logistik eingesetzt und kann zusätzliche Informationen wie Chargennummern oder Verfallsdaten enthalten.
QR-Codes mit GS1 Digital Link sind die Zukunft: Ein einziger Code kann sowohl an der Kasse gescannt werden als auch dem Konsumenten Produktinformationen liefern. GS1 arbeitet aktiv daran, diesen Standard zu etablieren. Mehr dazu in unserem Artikel über QR-Codes.
Welche Barcode-Arten es insgesamt gibt und wo sie eingesetzt werden, haben wir in unserem Überblick Welche Arten von Barcodes gibt es? zusammengefasst.
Bei vollständigen Unterlagen meistens wenige Werktage. Wer die E-Mail-Adresse falsch angibt oder Daten fehlen, wartet länger. Nicht bis zur letzten Minute warten.
Das Starterkit mit 10 GTINs kostet CHF 150 total (CHF 50 einmalig plus CHF 100 Verifikationsgebühr). Die Vollmitgliedschaft startet ab CHF 275 pro Jahr, je nach Umsatz und Anzahl benötigter Nummern.
Technisch möglich, praktisch keine gute Idee. Gekaufte Nummern sind nicht auf das eigene Unternehmen registriert. Grosse Händler und Plattformen prüfen das und sperren Listings. Offizielle GS1-Nummern sind die einzige sichere Option.
Ja. Jede Farbe, jede Grösse, jede Verpackungsvariante bekommt eine eigene GTIN. Das sollte man bei der Planung von Anfang an einrechnen.
Die GTIN Registry ist die zentrale Datenbank von GS1, in der Produktinformationen hinterlegt werden. Die Nutzung ist verpflichtend. Händler und Plattformen greifen darauf zu, um Produktdaten zu verifizieren.
Ja, aber die Druckqualität muss stimmen. Ein schlecht gedruckter Barcode wird nicht zuverlässig gescannt. Für professionelle Anwendungen braucht man die richtigen Etiketten und einen geeigneten Drucker.
GTIN ist der offizielle Name für die Ziffernfolge. EAN bezeichnet die grafische Darstellung als Barcode. Im Alltag werden beide Begriffe synonym verwendet.
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