QR-Code auf Etiketten drucken: Was wirklich zählt

Ein QR-Code der mit dem Smartphone am Restauranteingang funktioniert, ist eine andere Welt als ein QR-Code auf einem Industrieetikett. Das klingt übertrieben, ist es aber nicht.

Am Smartphone hält man das Gerät ruhig, das Licht ist gut, der Code ist frisch gedruckt und sauber. In der Industrie läuft das Etikett mit 200 Stück pro Minute über ein Förderband, der Scanner sitzt schräg an der Seite, und das Etikett hat zwischendurch Kontakt mit Feuchtigkeit bekommen. Wer dann einen Code druckt der gerade so lesbar ist, hat ein Problem.

Darum geht es hier: Was braucht ein QR-Code auf einem Etikett, damit er zuverlässig und dauerhaft gelesen werden kann?

Druckerauflösung: Der häufigste Fehler

Der grösste Fehler beim Drucken von QR-Codes auf Etiketten ist eine zu niedrige Druckerauflösung. Ein QR-Code besteht aus kleinen schwarzen und weissen Quadraten, den sogenannten Modulen. Je mehr Daten der Code enthält, desto mehr Module braucht er, und desto kleiner werden diese Module bei gleichbleibender Codefläche.

Ein Thermotransferdrucker mit 203 DPI (die häufigste Einsteigerauflösung) druckt etwa 8 Punkte pro Millimeter. Das reicht für einfache Codes mit wenig Inhalt, wird aber schnell zum Problem, wenn der Code viele Daten enthält oder klein gedruckt werden soll.

300 DPI ist für QR-Codes auf Etiketten deutlich besser geeignet. Die Module werden schärfer, die Kanten sauberer, und der Code ist auch in kleineren Formaten zuverlässig lesbar.

600 DPI braucht man vor allem dann, wenn QR-Codes sehr klein gedruckt werden müssen, zum Beispiel auf kleinen Verpackungen oder Bauteilen in der Elektronikfertigung.

Die Faustregel: Jedes Modul sollte mindestens 3 Druckpunkte breit sein. Bei 203 DPI entspricht das etwa 0.4 mm pro Modul, bei 300 DPI etwa 0.25 mm. Je weniger Daten der Code enthält, desto grösser die Module und desto leichter lesbar, auch bei niedrigerer Auflösung.

Neuhaus bietet Etikettendrucker in allen Auflösungsklassen an, von 203 bis 600 DPI, je nach Anforderung.

Fehlerkorrektur: Im Zweifel höher einstellen

QR-Codes haben eine eingebaute Selbstheilung, den Reed-Solomon-Fehlerkorrekturalgorithmus. Er erlaubt es dem Scanner, einen Code auch dann noch zu lesen, wenn Teile davon fehlen oder beschädigt sind. Es gibt vier Level:

Level Wiederherstellbare Schäden Einsatz
L (Low) bis 7% Optimale Bedingungen, saubere Umgebung
M (Medium) bis 15% Büro, Handel, leichte Beanspruchung
Q (Quartz) bis 25% Industrie, Lager, mässige Beanspruchung
H (High) bis 30% Aussenanwendungen, starke Beanspruchung

Für industrielle Etiketten ist Level Q die Minimalanforderung. Wer Etiketten im Aussenbereich, in feuchter Umgebung oder auf Oberflächen mit Abriebrisiko einsetzt, sollte Level H wählen.

Der Nachteil höherer Fehlerkorrekturlevel: Der Code enthält mehr Redundanzdaten, braucht also bei gleichem Dateninhalt mehr Module und damit mehr Fläche. Das spielt bei der Mindestzoomstufe eine Rolle.

Mindestgrösse und Ruhezone

Für zuverlässiges Scannen wird eine Mindestgrösse von 2 x 2 cm empfohlen. Das gilt für einen Code mit üblichem Dateninhalt und einem Scanner in normalem Leseabstand. Kleinere Codes sind möglich, erhöhen aber die Fehlerquote, besonders bei beschädigten Etiketten oder schwierigen Lesebedingungen.

Die Ruhezone ist der weisse Rand um den Code herum. Sie ist kein optionales Designelement, sondern technisch notwendig: Ohne Ruhezone kann der Scanner den Code nicht korrekt abgrenzen und liest ihn falsch oder gar nicht. Die Norm ISO 18004 schreibt einen Mindestrand von 4 Modulbreiten vor.

In der Praxis bedeutet das: Der Code braucht immer einen klar sichtbaren weissen Rand. Wer den Code bis an den Etikettenrand zieht, riskiert Lesefehler, besonders wenn das Etikett leicht verschoben aufgebracht wurde.

Kontrast: Schwarz auf weiss ist kein Zufall

Der Kontrast zwischen Code und Hintergrund muss mindestens 30% betragen, damit Scanner zuverlässig lesen können. In der Praxis bedeutet das: Schwarzer Code auf weissem Hintergrund ist die robusteste Kombination.

Farbige QR-Codes sehen gut aus, sind aber riskant. Viele Scanner, besonders ältere industrielle Geräte, haben Schwierigkeiten mit niedrigem Kontrast oder bestimmten Farbkombinationen. Wenn farbige Codes gewünscht sind, muss der Kontrast stimmen und der Code sollte auf verschiedenen Geräten getestet werden.

Für dunkle Etikettenmaterialien gibt es weisse Harzbänder, mit denen ein heller Code auf dunklem Untergrund gedruckt werden kann. Die Thermotransferbänder von Neuhaus sind in Schwarz und Weiss erhältlich, auch in den für Industrieanwendungen nötigen Harzqualitäten.

Material: Was unter dem Code passiert, zählt genauso

Ein QR-Code ist nur so gut wie das Etikett, auf dem er steht. Kratzer, Feuchtigkeit, chemische Einwirkung oder Abrieb können den Code unleserlich machen, auch wenn der Druck selbst einwandfrei war.

Für industrielle QR-Codes auf Etiketten gilt:

Polyester ist das Standardmaterial für dauerhafte QR-Codes in der Industrie. Es ist reissfest, chemikalienbeständig und verträgt Temperaturschwankungen. In Kombination mit einem Harzthermoband ergibt sich ein kratzfestes, chemisch resistentes Druckbild.

Papier reicht für kurzfristige Kennzeichnungen in trockener Umgebung, ist aber für industrielle Daueretiketten in der Regel zu anfällig.

Laminate können zusätzlichen Schutz bieten, zum Beispiel für Etiketten die regelmässig gereinigt werden oder im Aussenbereich eingesetzt werden.

Das Etikettensortiment von Neuhaus bietet passende Materialien für alle industriellen Anforderungen.

Dateninhalt: Weniger ist lesbarer

Je weniger Daten ein QR-Code enthält, desto einfacher und robuster wird er. Das klingt banal, wird aber in der Praxis oft ignoriert.

Wer eine vollständige URL mit Parametern, eine Artikelnummer, einen Chargennamen und Ablaufdatum in einen einzigen QR-Code packt, erzeugt einen Code mit vielen Modulen, der bei kleiner Druckfläche oder beschädigtem Etikett schnell unlesbar wird.

Die bessere Praxis in der Industrie: Nur eine eindeutige ID in den Code kodieren, zum Beispiel eine Seriennummer oder einen Verweis ins System. Die zugehörigen Informationen werden im Hintergrund aus der Datenbank geladen. Weniger Module, robusterer Code, einfachere Lesbarkeit.

GS1 QR-Code: Was sich gerade ändert

GS1, die Organisation hinter dem EAN-Barcode-Standard, arbeitet aktiv daran, den QR-Code als Nachfolger des klassischen Strichcodes zu etablieren. Das Projekt heisst GS1 Digital Link.

Die Idee: Ein einziger QR-Code auf einer Verpackung kann gleichzeitig an der Ladenkasse gescannt werden und dem Konsumenten weiterführende Informationen liefern, zum Beispiel Nährwertangaben, Rückverfolgungsdaten oder Produktinformationen. Derselbe Code, unterschiedliche Inhalte je nach Scanner.

Das ist besonders für Unternehmen relevant, die ihre Produkte sowohl im Fachhandel als auch direkt an Endkunden verkaufen. GS1 Schweiz bietet dazu aktuelle Informationen und Beratung an.

QR-Code testen: Nicht nur mit dem Smartphone

Wer einen neuen Code oder ein neues Etikett einführt, sollte den Code systematisch testen, nicht nur einmalig mit dem eigenen Handy.

Das heisst konkret:

Mit dem tatsächlich verwendeten Scanner testen. Ein industrieller Barcodescanner verhält sich anders als eine Smartphone-Kamera. Wer einen Zebra DS3600 im Lager einsetzt, muss den Code auch mit diesem Gerät testen.

Unter realen Bedingungen testen. Schräger Winkel, schlechte Beleuchtung, Abstand, leicht verschmutzte Oberfläche: Wenn der Code unter diesen Bedingungen zuverlässig gelesen wird, ist er gut.

Mit beschädigtem Etikett testen. Einen Kratzer über den Code ziehen und prüfen, ob der Scanner trotzdem noch liest. Wenn ja, ist die Fehlerkorrektur ausreichend.

Bei schnellem Durchlauf testen. Wer QR-Codes auf einem Förderband scannt, muss sicherstellen, dass der Scanner beim Durchlauf genug Zeit zum Lesen hat.

Häufige Fragen

Welche Druckerauflösung brauche ich für QR-Codes auf Etiketten?

300 DPI ist für die meisten industriellen Anwendungen die richtige Wahl. Bei sehr kleinen Codes oder hohen Qualitätsanforderungen empfiehlt sich 600 DPI. 203 DPI reicht nur für einfache Codes mit wenig Dateninhalt und ausreichend Druckfläche.

Welches Fehlerkorrekturlevel soll ich wählen?

Für Industrieanwendungen mindestens Level Q (25%). Bei Aussenanwendungen oder starker Beanspruchung Level H (30%). Für Büro- und Handelsanwendungen reicht Level M.

Warum ist mein QR-Code manchmal nicht lesbar?

Die häufigsten Ursachen: zu wenig Ruhezone, zu niedriger Druckerauflösung, zu viel Dateninhalt auf zu kleiner Fläche, oder eine Material-Farbband-Kombination die kein scharfes Druckbild ergibt. Auch ein zu niedriges Fehlerkorrekturlevel bei Etiketten mit Abrieb ist ein häufiger Fehler.

Kann ich QR-Codes auf farbigen Etiketten drucken?

a, wenn der Kontrast stimmt. Mindestens 30% Kontrast zwischen Code und Hintergrund. Schwarz auf weiss ist immer die sicherste Wahl für industrielle Anwendungen.

Was ist der Unterschied zwischen einem normalen QR-Code und einem GS1 QR-Code?

Ein GS1 QR-Code folgt einem definierten Datenstrukturformat und enthält standardisierte GS1-Identifikationsnummern. Er ist kompatibel mit GS1 Digital Link und kann von handelsüblichen Kassensystemen und industriellen Scannern gleichermassen gelesen werden.

Welche Software brauche ich, um QR-Codes auf Etiketten zu drucken?

Eine Etikettensoftware mit Datenbankanbindung und QR-Code-Generator ist für professionelle Anwendungen empfehlenswert. So können Codes mit variablen Daten wie Chargennummern oder Seriennummern automatisch generiert und gedruckt werden.

 

Autorin: Franziska Neuhaus, Entwicklung / Projektmanagement, Neuhaus AG

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